Was bedeutet Training?


Eine Definition

Sofern wir die unterschiedlichen Reitlehren einmal weglassen, bedeutet Training, dass  sich das Pferd  den geänderten Ansprüchen und Belastungen durch das Reiten anpassen muss. Dies betrifft alle Strukturen des Pferdes, o. a.  Muskeln, Knochen, Sehnen, Gelenke, Lunge und auch die Psyche.

 

Die Beanspruchungsformen liegen hierbei in folgenden Punkten: Koordination, Beweglichkeit, Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer.  Die letzten drei Punkte werden auch oft unter dem Oberbegriff "Kondition" zusammengefasst.

 

Weiterhin gibt es Entwicklungsstufen, angefangen beim Grundlagentraining, über das Aufbautraining bis zum Hochleistungstraining.

 

 


Grundlagentraining

Dieses Training zeichnet sich durch seine Vielfältigkeit aus- es findet keine Anforderung bezüglich einer speziellen Disziplin statt. Im Vordergrund stehen Koordination und Beweglichkeit mit einem angemessenen Maß an Kondition.

Die Koordination erstreckt sich in dieser Phase sowohl auf die Fähigkeit des Pferdes, sich und den Reiter schadlos tragen zu können als auch auf andere Dinge wie Trittsicherheit, Umstellungsfähigkeit auf unterschiedlichen Böden und sich unterschiedlichen Situationen anpassen zu können.
Daraus ergeben sich dann Takt, Losgelassenheit und Anlehnung. Die Bewegungsfähigkeit muss in dem Maße trainiert werden, wie sie das Pferd für die koordinativen Bewegungsabläufe benötigt.
Zu den Grundlagen gehört auch im erweiterten Sinne eine funktionierende Kommunikation, das Verstehen der Hilfen als auch das Vertrauensverhältnis zwischen Ausbilder und Pferd.

Das Pferd als Individuum

In der Praxis sieht es jedoch meistens etwas anders aus. Die meisten Pferde haben verschleißende Bewegungsabläufe als auch bereits Einschränkungen in der Beweglichkeit. Dies liegt nicht zuletzt an geänderten Zuchtzielen, aber auch daran, dass ein Grundlagentraining nur ungenügend stattfindet und viel zu schnell bestimmte Disziplinen trainiert werden. 
Ein weiterer Punkt ist, dass für viele Pferde ein Trainingsplan schlichtweg fehlt und zu wenig Wissen besteht  zum Beispiel bezüglich notwendiger Pausen- und Regenerationszeiten. Auch der Blick für die korrekten Bewegungen ist nicht immer vorhanden. Ein Pferd muss immer individuell trainiert werden und nicht nach irgend einem System. 
Aus diesem Grunde liegt mein Schwerpunkt in diesem notwendigen Grundlagentraining, welches eine Voraussetzung ist für die weiteren Abschnitte des Trainings und ebenfalls maßgeblich die Leistungsfähigkeit als auch Gesundheit des Pferdes bestimmt. Hinzu kommt die Wissensvermittlung über Training für den Menschen als auch dessen Schulung in koordinativen Abläufen 

 

 

Aufbautraining

Ein Aufbautraining ist immer noch sehr vielseitig. Allerdings fließen jetzt vermehrt disziplintypische Komponenten vermehrt ein (etwas "Manövertraining") und vor allem wird das Konditionstraining langsam angepasst. Während im Grundlagentraining Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer gleichmäßig trainiert wurde, findet im Aufbautraining eine leichte Verschiebung statt. Ein Dressurpferd wird mehr in die Kraft gearbeitet, ein Distanzpferd in die Ausdauer.
An dieser Stelle muss der Trainer sich bereits gut auskennen,  wie er zum Beispiel ein Pferd vermehrt in aeroben oder anaeroben Bereich trainiert und ob Intervalltraining oder ein Dauertraining sinnvoller ist.
Die Belastungsintensität ist insgesamt erhöht.
Auch dieser Schritt dient dazu, dass sich das Pferd den höheren Belastungen langsam anpassen kann.

 

Hochleistungstraining

Wie der Name es schon andeutet, wird in dieser Phase auf Höchstleistung trainiert. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Disziplin, in der das Pferd starten soll.

Ein Hauptproblem besteht dabei in der zu frühen Spezialisierung schon junger Pferde auf ihre Disziplin. Einseitige Belastungen sind immer verschleißender und es fehlen die koordinativen Fähigkeiten, welches die Spitzenleistung schmälern kann. Das Verletzungsrisiko steigt.
Im Humanbereich wird diese frühe Spezialisierung als Kardinalfehler angesehen.