Beweglichkeit & Kompensation


freie Beweglichkeit

Für gesundes Reiten und auch für den Leistungsbereich ist die freie Beweglichkeit des Pferdes von immenser Bedeutung. Unter diesem Begriff verstehe ich, dass jedem einzelnen Gelenk sein physiologischer Bewegungsraum zur Verfügung steht.

Die meisten Restriktionen haben dabei ihre Ursache im Schmerzgeschehen ( z. B. durch Equipment oder feststellendem Reiten), verkrampfter Muskulatur oder einem eingeschränktem Fasziensystem).

Was jedoch nicht benötigt wird, ist eine übertriebene Beweglickeit, wie es viele Pferde schon heute von Haus aus mitnehmen. Solche Hypermobilität (Genetik oder antrainiert), bedarf im Gegenteil einer Muskelkräftigung, um diese Beweglichkeit im Griff zu halten.

 

Wir benötigen also die freie Beweglichkeit der Gelenke und des myofaszialen (das gemeinsame System von Muskeln und Faszien) Systems.

 

Ist dies nicht mehr gegeben, so entwickelt das Pferd ein Laufmuster, bei dem diese Bewegungseinschränkungen kompensiert werden.

Kompensation

Kompensatorisches Laufen ist ein System, welches das Pferd schützt. Ist ein Bereich des Pferden eingeschränkt, so fangen andere Körperbereiche diese Restriktion auf. Dies sieht man sehr oft an unphysiologischen Bewegungsmustern der Hinterhand, wenn die Wirbelsäule Probleme bereitet.
Diese Kompensationsbewegungen führen jedoch oft dazu, dass es immer mehr Restriktionen im Pferd ansammeln, die wiederum kompensiert werden müssen.

Es setzt ein schleichender Prozess ein, bei dem sich das Pferd zu Anfang nur etwas anders bewegt, ohne dass der Besitzer es überhaupt merkt. Die Bewegungen werden mit der Zeit immer steifer, kleine Widersetzlichkeiten stellen sich ein.

Dieses System setzt sich fort, bis das Pferd nicht mehr kompensieren kann, es bilden sich dann oft unklare Lahmheiten oder große Widersetzlichkeiten.
Auch Spat und Knieprobleme sind oft lediglich Symptom einer solchen Ereigniskette. Je früher man also diese Kette unterbricht, desto besser ist es für Pferd und Reiter.

Ein Problem besteht jedoch darin, dass dies rein durch Training kaum zu schaffen ist bzw. einer handvoll Reiter vorbehalten ist, die dafür eine extrem gute Hand haben. 
Meiner Erfahrung nach ist der reine Trainingsweg  den meisten Reitern verbaut, denn ein Pferd wird auch im Training einen Weg finden, diese Einschränkungen aufrecht zu erhalten und die entsprechende Lektionen "falsch" auszuführen. Ein Pferd wird seine Problemzonen in der Bewegung nicht hergeben, Muskeln und Faszien schützen diesen Bereich, immerhin ist dies genau der Sinn der Kompensation.
Selbst wenn man es im Training schaffen sollte, schonend für das Pferd ist es auf keinen Fall, da man als Trainer diese Schutzmechanismen durchbrechen müsste.

 

Ein physiologisches Laufen kann durch gutes Training erhalten werden, falsche Bewegungsmuster lassen sich so kaum ändern. Dazu bedarf es manueller Techniken.

 

(Diese Aussagen beziehen sich nicht auf Probleme, bei denen sich das Pferd noch korrekt bewegen könnte, dies aufgrund des Reitesr jedoch nicht tut. In diesem Fall ist das korrekte Training/ Reiten natürlich der richtige Weg)

 

Als Trainer und Osteopath habe ich die Erfahrung gemacht, dass es effektiver ist, die Bereiche Training und Mobilisation weitestgehend zu trennen, wie es im Humanbereich  in den meisten Sportarten üblich ist.
Für den therapeutischen Laien gibt es durchaus sinnvolle Maßnahmen, die er auch sicher ergreifen kann. Es ist wie beim Zähneputzen: Jeden Tag ein bisschen Pflege bringt bessere Ergebnisse als lediglich einmal im Jahr 2 Stunden intensiv daran zu arbeiten.